Versicherungsspezifische Regelungen zur Erstanwendung des IFRS 9 durch Mehrheitsbeschluss spezifiziert

Das IASB hat im Rahmen seines 4-tägigen Septembermeetings am 21. September 2015 zunächst folgende versicherungsspezifische Regelungen zur Erstanwendung des IFRS 9 durch Mehrheitsbeschluss spezifiziert:

    • Für Unternehmen, deren Geschäftsmodell überwiegend im Abschluss von Versicherungsverträgen besteht, die Gewährung einer Option, die Erstanwendung des IFRS 9 zu verschieben (sog. deferral approach). Die Option ist auf Ebene des berichtenden Instituts einheitlich auszuüben. Ob das Geschäftsmodell eines Unternehmens überwiegend im Abschluss von Versicherungsverträgen besteht, soll am Anteil der Verbindlichkeiten aus Versicherungsverträgen nach IFRS 4 an den gesamten Verbindlichkeiten gemessen werden. Im finalen IFRS 4 soll hierfür kein quantitativer Grenzwert angegeben werden. In der Begründung zum Standard soll jedoch ein Beispiel für die Anwendbarkeit der Optionen gegeben werden, bei dem der Anteil oberhalb von 2/3 liegen wird.
    • Bei erstmaliger Anwendung des IFRS 9 die Gewährung einer Option, finanzielle Vermögenswerte, die in Verbindung mit Versicherungsverträgen nach IFRS 4 stehen und nach IFRS 9 aber nicht nach IAS 39 als Fair Value Through Profit or Loss kategorisiert werden, deren nach IFRS 9 ergebniswirksam zu behandelnde Fair Value Änderungen erfolgsneutral im Other Comprehensive Income zu erfassen um bilanzielle Ergebnisunplausibilitäten und nicht beabsichtigte Ergebnisvolatilitäten zu verhindern (sog. overlay approach). Falls die einbezogenen finanziellen Vermögenswerte nachfolgend nicht mehr in Verbindung mit Versicherungsverträgen stehen, ist der kumulierte im OCI erfasste Betrag in die Gewinn- und Verlustrechnung zu recyclen. Spätestens bei Erstanwendung des neuen IFRS 4 ist der overlay approach zu beenden und ist der kumulierte, im OCI erfasste Betrag erfolgsneutral in den Bilanzgewinn umzubuchen.

    Bezüglich der Frage, ob der deferral approach in der oben dargestellten Form aber tatsächlich vorgeschlagen werden soll, ergab eine gesonderte Abstimmung ein Unentschieden (7:7). Nach den Regularien des IASB hat in diesem Fall der Vorsitzende eine zusätzliche Stimme. Dieser hat in der Sitzung am 23. September 2015 erklärt, diese zusätzliche Stimme zugunsten des deferral approaches auszuüben. Die Verschiebung der Erstanwendung des IFRS 9 wird jedoch nur bis zur Erstanwendung des neuen IFRS 4, maximal jedoch bis zum Jahr 2021 zulässig sein.

    Die beschlossenen Regelungen sollen in den neuen IFRS 4 aufgenommen werden. Der finale neue IFRS 4 soll in 2016 veröffentlicht werden. Noch in 2015 soll ein Exposure Draft mit dem konkreten Text dieser Regelungen veröffentlicht und konsultiert werden. Für Nicht-Versicherer werden hieraus keine Änderungen resultieren.

     

    >> Presseerklärung des IASB

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